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Paragraph

Der Begriff Paragraf (auch Paragraph) stammt aus dem Griechischen und bedeutet das "Danebengeschriebene". Im deutschen Sprachraum wird als Paragrafenzeichen "§" verwendet, bezieht man sich auf mehr als einen Paragrafen, werden zwei Paragrafenzeichen nebeneinandergestellt: "§§".Die Herkunft unseres Paragrafenzeichens ist umstritten.Die (!) paragraphos (sc. grammê) war ursprünglich ein waagrechter Strich mit einem senkrechten Haken vorne, der am Anfang einer Zeile gesetzt wurde, in der ein Abschnitt endete. In römischer Zeit wurde daraus ein "T" oder "Γ", im Mittelalter verstand man letzteres als "C" (bzw. "K") für caput ("Abschnittsbeginn"). Die Paragrafenzeichen "¶" und "§" haben sich aus einem gotischen "C" (ℭ) entwickelt.Eine andere Theorie besagt, dass im Mittelalter ein Schreiber eines Textes bei einem neuen Absatz anstatt einer neuen Zeile ein Unterteilungszeichen (lat. signum sectionis) einfügte. Dieses wurde als ineinandergeschlungenes "SS" geschrieben. Daraus soll sich dann das geläufige Paragrafenzeichen entwickelt haben. In der Fachliteratur wird diese Erklärung als "ebenso einleuchtend wie frei erfunden" bezeichnet.Einer weiteren Theorie zufolge steht dieses "SS" für ein Trennungszeichen (lat. signum separandi). Diese Theorie ist ebenso umstritten, für sie spricht jedoch, dass in älterem Sprachgebrauch der Paragraf auch als "Trennstrich" gelesen und in vielen älteren Beurkundungen z. B. "/3/"statt "§ 3" geschrieben wurde.Als eher glaubhaft gilt, dass das Paragrafenzeichen auf den Buchstaben C zurückzuführen ist, wobei ein neuer Abschnitt (Caput) gekennzeichnet wurde.Verwendung in der juristischen MethodenlehreEin Paragraf dient zur Einteilung in aufzählendem Schrifttum (etwa Gesetze, Verträge, Lehrbücher). Er selbst wird in der Regel zur besseren Referenzierbarkeit (insbesondere bei Gesetzestexten) wiederum aufgeteilt in Absätze, Nummern (bzw. in Österreich auch gebräuchlich: Ziffern), Buchstaben (litera) und/oder Sätze, und ist unter Umständen mit Randnummern versehen.Manchmal werden Gesetze oder Verträge auch anstelle durch Paragrafen durch Artikel gegliedert.Lesebeispiele

  • § 4 AO: Paragraf vier der Abgabenordnung
  • §§ 14 f. EStG: Paragraf 14 und folgender des Einkommensteuergesetzes
  • §§ 33 ff. BauNVO 69: Paragraf 33 und folgende der Baunutzungsverordnung von 1969
In deutschen Bundesgesetzen werden bei Zitaten von Gesetzesstellen "Absatz" und "Nummer", soweit sie nach dem Paragrafen stehen, immer abgekürzt (Abs. bzw. Nr.), während "Satz" immer ausgeschrieben wird, also:
  • § 323 Abs. 2 Nr. 1 BGB
  • § 433 Abs. 1 Satz 2 BGB
Bisweilen ebenfalls benutzte Schreibweisen wie
  • § 323 II Nr. 1 BGB: Paragraf 323, Absatz 2, Nummer 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches
  • § 100 V S. 1 KrW-/AbfG: Paragraf 100, Absatz 5, Satz 1 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes
  • § 25.2 StGB oder § 25 (2) StGB: Paragraf 25, 2. Absatz des Strafgesetzbuches
sind teilweise missverständlich und daher nicht empfehlenswert.Literatur
  • M. Harder, Der Paragraph, in: K. Slapnicar (Hg.), Tradition und Fortentwicklung im Recht. Festschrift zum 90. Geburtstag von Ulrich von Lübtow, Rheinfelden/Berlin 1991, 9-13.
  • Ahcin/Carl, Der Paragraph − ein obskures Subjekt des Rechts. Zur Geschichte eines Zeichens, Juristenzeitung 1991, 915-917.
(Definition ergänzt von Isabella am 02.04.2014)

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Beispielsätze mit dem Begriff 'Paragraph'

  • Und kennt er auch alle Gesetze und alle Sitten und Gebräuche und Charakteranlagen der Beamten: Es kann ein Augenblick kommen, da steht plötzlich ein unbekannter Paragraph auf, und wenn es nicht auf den Paragraphen ankommt, so erwacht zum Beispiel eine ungeahnte Leidenschaft in einem Beamten.Quelle: Das falsche Gewicht - Joseph Roth

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