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Temperament

1. [i. w. S.] angeborene Wesensart, Gemütsart; ein fröhliches, heiteres Temperament haben

2. [i. e. S.] Lebhaftigkeit, Erregbarkeit, Schwung, Beweglichkeit, Munterkeit; sie hat T., sie hat kein T. [frz. temperament "Gemütsstimmung, Veranlagung; Ausgleich, Maß, richtiges Verhältnis", lat. temperamentum "das richtige Verhältnis gemischter Dinge, richtige Mischung", zu temperare "ins richtige Verhältnis setzen", temperieren]

3. Das Temperament beschreibt die Art und Weise, wie ein Lebewesen agiert und reagiert, seinen Verhaltensstil also. Dieser ist tief verankert und setzt sich aus emotionalen, motorischen, aufmerksamkeitsbezogenen Reaktionen und der Selbstregulierung zusammen. Der Begriff umschreibt relativ konstante, daher typische Merkmale des Verhaltens wie Ausdauer, Reizschwelle, Stimmung, Tempo.

Etymologisch wird das Wort temperamentum im 16. Jh. im Sinne von "ausgeglichenes Mischungsverhältnis" in der Pharmazie verwendet, beschreibt dann das "Mischungsverhältnis der Körpersäfte" (siehe Viersäftelehre) und erhält im 18. Jh. die heutige Bedeutung.

Die traditionellen Einteilungen in Temperamente und deren zugeordnete Verhaltensmuster sind stark abhängig vom Kulturkreis. Am bekanntesten sind die chinesische und griechische Einteilung der Temperamente. Lange Zeit unterschied man im europäischen Rahmen zwischen vier, auf Hippokrates zurückgehenden Typen (Humorallehre): sanguis=Blut, Cholé=Gelbe Galle, Melan cholé=Schwarze Galle, Phlegma= Schleim.

Die 4 traditionellen Temperamente
  • Choleriker,
  • Melancholiker,
  • Phlegmatiker und
  • Sanguiniker.

Es gab auch eine Gleichsetzung zwischen Temperamenten und Tieren:

  • cholerisch/grausam - Katze
  • phlegmatisch - Ochse
  • melancholisch - Hirsch
  • sanguinisch - Löwe


Andere Gleichsetzungen lauten:

  • Sanguiniker, Blut (feucht und warm): Luft, Frühling, Morgen und Jugend.
  • Choleriker (gelbe Galle): Feuer (Hitze und Trockenheit), Sommer, Mittag und volles Mannesalter.
  • Melancholiker (schwarze Galle): Wasser, Winter, Nacht und Greisenalter.
  • Phlegmatiker (feucht und kalt): Erde (trocken und kalt), Herbst, Abend und Lebensalter um die 60.


Die Erde setzt sich aus vier Elementen zusammen, die ihrerseits vier Haupteigenschaften immer neu kombinieren - warm und kalt mit feucht und trocken -:Feuer (warm und trocken), Luft (warm und feucht), Wasser (feucht und kalt) und Erde (kalt und trocken). Der Mensch besteht aus denselben Elementen, denen die vier Körpersäfte (humores) entsprechen: gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim. Sind die Säfte harmonisch gemischt, hat der Mensch ein harmonisches Temperament, überwiegt ein Saft alle anderen, hat der Mensch einen ausgeprägten Charakter: Choleriker (cholon = galle) - Feuer; Melancholiker (melan cholon = schwarze Galle) - Erde, Sanguiniker = Frohnatur (sanguis = Blut) - Luft, Phlegmatiker (phlegma = Schleim) - Wasser.

In der Kunstgeschichte wurde auch eine Beziehung zwischen den Temperamenten und den vier Flüssen des Hades hergestellt.

Im 20. Jahrhundert differenzierte die Forschung stärker, konnte sich jedoch auf kein endgültiges Schema einigen. Die bekannteste Formulierung ist der Myers-Briggs Type Indicator (MBTI), die bekannteste Weiterentwicklung dessen stammt von David Keirsey. In der heutigen empirischen Psychologie ist die Annahme von Persönlichkeitstypen allgemein umstritten.

Es sind vor allem vier Merkmale, mit denen Psychologen heute das Temperament beschreiben:

  • Aktivität - Kraft, Stärke und Geschwindigkeit der Bewegungen, des Denkens und Sprechens.
  • Reaktivität - Tempo und Stärke, mit der man auf äußere Reize reagiert. Wie offen man für Reize ist.
  • Emotionalität - Häufigkeit und Stärke, mit der Gefühle geäußert werden und die Stimmungen wechseln.
  • Soziabilität - der Wunsch, die Nähe anderer zu suchen, und die Art und Weise, mit ihnen umzugehen.

Aus der Zusammensetzung dieser charakteristischen Eigenschaften ergibt sich das Temperament. Das Temperament ist vor allem Veranlagung, wird aber durch die Umwelt nicht unwesentlich mit beeinflusst.

(Definition ergänzt von Esther am 10.01.2013)

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Silbentrennung

Die Silben von dem Wort 'Temperament' trennt man wie folgt:

  • Tem|pe|ra|ment

Beispielsätze mit dem Begriff 'Temperament'

  • So zeigt es formell dieselben Eigentümlichkeiten, die man dem melancholischen Temperament zuschreibt, nur abgelöst von der unstatthaften Verbindung mit einer konkreten Stimmung, angeknüpft dagegen an eine allgemeine Erhöhung der Empfänglichkeit für den affektiven Wert, der allen unsern Erregungen neben ihrem Inhalt eigen ist.Quelle: Rudolf Hermann Lotze: Medizinische Psychologie
  • So völlige Unparteilichkeit der Erregbarkeit kommt im wirklichen Leben nie, am meisten annähernd in dem kindlichen Alter vor, in welchem deshalb das sanguinische Temperament, wo es überhaupt vorhanden ist, am ausgesprochensten vorhanden zu sein pflegt.Quelle: Rudolf Hermann Lotze: Medizinische Psychologie
  • seinen moralischen Charakter, seine Erkenntniskräfte, sein Temperament, seine Physiognomie usw.Quelle: Arthur Schopenhauer - Aphorismen
  • So viel nun aber auch zu der, für unser Glück so wesentlichen Heiterkeit die Gesundheit beiträgt, so hängt jene doch nicht von dieser allein ab: denn auch bei vollkommener Gesundheit kann ein melancholisches Temperament und eine vorherrschend trübe Stimmung bestehn.Quelle: Arthur Schopenhauer - Aphorismen
  • Doch litt auch der junge Gelehrte, dessen ganzes Temperament kühl und dessen Körper nur Haut und Knochen war, nicht zu sehr darunter.Quelle: Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Südafrika

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