abstraktionsgrad

Definition, Bedeutung

Der Mensch glaubt, sich in einer dreidimensionalen Welt zu bewegen, und auch die Naturwissesnschaften gehen von einer Welt aus, in der es drei Raumdimensionen gibt. Diese dreidimensionale Welt ist konkret: wenn man einen Gegenstand, etwa einen Stein, in der Hand hält, dann wird dieser Gegenstand als konkret aufgefaßt. Hat man es jedodch nicht mit einem realen Gegenstand zu tun, sondern nur mit einer Darstellung von ihm, so gibt es verschiedene Darstellungsformen, die jeweils von unterschiedlichem Abstraktionsgrad sind. Denkbar wären (z. B. bei einem Haus) dreidimensionale Modelle, zweidimensionale Bilder oder quantitative Beschreibungen, wobei in dieser Reihenfolge der Abstraktionsgrad jeweils zunimmt. Die konkreteste Vorstellung, die ein Mensch von einem physischen Objekt haben kann, ist sicher eine bildliche Vorstellung. So sagt man etwa, man ,,führt sich etwas vor Augen`` oder man ,,macht sich ein Bild `` von etwas.

In MD-Simulationen sollen real ablaufende Prozesse, z. B. in Proteinen, simuliert werden. Die natürlichste Darstellung einer solchen Simulation ist wieder die bildliche, da sie die konkreteste und -- im wahrsten Sinne des Wortes -- anschaulichste ist. Die bildliche Darstellung ist somit von geringem Abstraktionsgrad, denn im Idealfall zeigt das aus der Simulation entstandene Bild (noch mehr: der Film) genau das, was man in der Natur sehen würde (wenn man es sehen könnte). Bei Graphen ist dies schon nicht meht der Fall: sie zeigen beispielsweise die sich bewegenden loops (vgl. Abbildung 2.3) nicht in direkter Weise, sondern sie geben einem lediglich Daten an die Hand, mit Hilfe derer man sich erst noch ein Bild davon machen muß. Die Darstellungsform der Zahlen ist von noch höherem Abstraktionsgrad, da ausgehend von ihnen der Weg zum dreidimensionalen Bild noch viel länger ist.

Textdarstellungen sind hier schwer einzuordnen, da sie sowohl abstrakten als auch konkreten Charakter annehmen können. So gibt es sowohl Texte mit vielen Formeln und Zahlen, die eher von Abstraktheit zeugen, als auch sehr plastische Beschreibungen, die einem sehr schnell ein konkretes Bild vermitteln.

(Definition ergänzt von Sandro am 11.09.2016)
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