Anaphorik

Definition, Bedeutung

Anaphorik bezeichnet den Verweis eines Satzteiles auf einen anderen, vor ihm stehenden Satzteil; man sagt auch, der Satzteil baue eine anaphorische Verbindung zu einem anderen Satzteil auf. Eine anaphorische Verbindung führt dazu, dass der hintere Textteil anders verstanden wird, als es der tatsächliche Wortlaut vorgibt.

Der vordere Satzteil wird Antezedens genannt, der hintere Satzteil Anapher. Satzteil ist hier ein einzelnes Wort oder ein Satzglied. Man nennt eine anaphorische Verbindung direkt, wenn sie durch bloße Anwendung grammatischer Regeln verstanden werden kann. Eine indirekte anaphorische Verbindung ("Bridging") hingegen setzt zusätzliches Wissen voraus. Stehen Antezedens und Anapher im selben Satz, so spricht man von intrasententialer Anaphorik, stehen sie in verschiedenen Sätzen, von intersententialer Anaphorik.

Die Anaphorik ist ähnlich der Kataphorik, bei der ein Satzteil mit einem späteren statt einem früheren Satzteil verbunden ist. Beide Formen werden von der Sprachwissenschaft und der Computerlinguistik erforscht.

Definition: Anaphorische Beziehung

Ein Satzteil α ist genau dann anaphorisch zu einem Satzteil β, wenn β Antezedens von α ist und α in seiner Interpretation von β abhängig ist.

Anapher und Deixis

Anaphern unterscheiden sich von deiktischen Elementen dadurch, dass ihre Bezugselemente im Text, also innersprachlich, zu suchen sind, während sie bei einer Deixis außersprachlich zu suchen sind (siehe auch: Deixis vs. Anapher). So haben die erste und zweite Person von Personalpronomen (ich, du, wir, ihr) eine deiktische Funktion, indem sie auf den/die Sprecher bzw. dessen/deren Adressaten verweisen, wohingegen die dritte Person (er, sie, es) für gewöhnlich eine anaphorische Funktion erfüllt, indem sie eine bestehende Orientierung auf eine Person oder ein Ding fortführt.

(Definition ergänzt von Ecrin am 23.09.2016)
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