Antiquariat

Definition, Bedeutung

Ein Antiquariat ist ein auf alte und gebrauchte Bücher spezialisiertes Geschäft, in dem der Buchhändler Antiquar heißt. Viele Antiquariate findet man in Bücherdörfern.

Sie bieten neben Büchern auch andere alte Druckerzeugnisse, wie Graphiken, Landkarten, Ansichtskarten, Zeitungen und Noten oder auch Handschriften, Autographen und Gemälde an (allerdings keine alten Möbelstücke oder ähnliche Antiquitäten).

Es gibt beispielsweise eigens spezialisierte Graphik-, Musik- oder Zeitungsantiquariate. Letztendlich veräußern Antiquariate alle Informations- und Bildträger, manchmal auch Tonträger (Schallplatten).

Ein modernes Antiquariat - eigentlich eine contradictio in adjecto - verkauft einerseits gebrauchte Bücher, vor allem aus den letzten Jahren, andererseits neue, meist durch auffällige Stempel als Remittenden oder Mängelexemplar gekennzeichnete und bisweilen extra für diese Buchhandelssparte angefertigte Auflagen. Mit der wachsenden Zahl an Neuveröffentlichungen wird die Lagerhaltung in den Buchhandlungen und Verlagen wegen der Kapitalbindung neben dem Platzproblem zu einem finanziellen. Deshalb hebt man bei Büchern, die sich schlecht verkaufen, schon bald nach deren Erscheinen die Buchpreisbindung auf. Die Bücher werden zum halben Preis oder für einen standardisierten Euro-Betrag verhökert. Die Geschäfte gehen schwer; so hat z.B. das größte Moderne Antiquariat der Schweiz, die Schibli-Doppler AG, 2006 Konkurs angemeldet.

Dagegen können echte antiquarische Bücher je nach Nachfrage ein Vielfaches ihres Ausgabepreises einbringen.Zu den vorhandenen Antiquariatsmessen wie der in Stuttgart kam seit 2005 die vergleichsweise größte in einem abgegrenzten Areal einer Hallenetage auf der Frankfurter Buchmesse (gezeigt z.B. 2006 für 40 000 Euro "de honesta voluptate et valetudine...", erstes gedrucktes Kochbuch, 1480).

Das größte Antiquariat der Welt - mit nach eigenen Angaben 18 Meilen (ca. 29 Kilometer) Regalgesamtlänge - soll Strand Books am New Yorker Broadway sein.

Im deutschsprachigen Raum führendes Fachorgan ist die in Frankfurt am Main erscheinende Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" (besteht seit 1948; seit Anfang 2003 mit 6 Heften im Jahr), das auch an die Mitglieder der Maximilian-Gesellschaft verteilt wird.

Seit Mitte der 1990er Jahre gehen Antiquariate zunehmend dazu über, ihre Bücher über Internetmarktplätze zu verkaufen. Kunden besuchen die Ladengeschäfte seltener, weil es im Internet die Möglichkeit zum Preisvergleich gibt und man dort meist auch bei seltenen Werken (Rara) oder Kleinauflagen oft schnell fündig wird, nach denen man in Ladengeschäften mühsam und nicht selten erfolglos suchen muss. Plattformen wie Abebooks, antbo, das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB), prolibri, Booklooker oder Zeusman präsentieren das Angebot von vielen Antiquaren gegen eine Fix- und/oder Verkaufsprovision, die 0% bis zu ca. 15% vom angezeigten Preis betragen kann. Die Online-Bestellung geht aus einem der vernetzten Verzeichnisse weltweit direkt an den oft kleinen Antiquar, wo das gefundene Stück verpackt und verschickt wird. Das ist bedeutsam, weil auch immer mehr Bücher mit großen Auflagen rasch vergriffen sind.

Meta-Suchmaschinen wie z.B. addall.com, Eurobuch.com, fetchbook.info, Findmybook und andere ermöglichen die vergleichende Suche im Angebot vieler dieser Plattformen.

Statistik: belastbare Wirtschaftsdaten über die Branche sind rar. Eine Umsatzerhebung der Arbeitsgemeinschaft Antiquariat im Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verzeichnet für die Branche 2005 ein Umsatzminus von elf Prozent. Geschätzt werden darin zwischen einem Drittel und der Hälfte Onlineverkäufe. Wirklich lohnend ist der Aufwand (eintüten etc.) wohl erst ab einem Verkaufspreis von 20-25 Euro.

In Deutschland existieren geschätzte 1200 Antiquariate, von denen wohl 80 Prozent gegen Gebühr bei den verschiedenen Online-Plattformen anbieten. Prolibri.de hat Standards festgelegt, auf die die teilnehmenden Händlern verpflichtet werden. Dazu gehört insbesondere mehrjährige Erfahrung, detaillierte bibliographische Erfassung der angebotenen Titel mit Nennung aller eventuellen Mängel, schnelle Lieferung, faire Rückgabemöglichkeit für die Kunden sowie sachgerechte Verpackung. Andere -- das ZVAB, Antiquario, Antbo -- setzen einen Gewerbeschein als Teilnahmebedingung voraus; dagegen die Online-Handelsriesen Ebay und Amazon.com oder Plattformen wie Abebooks und Booklooker lassen auch Privatleute zu. (Aus: FAZ, 20. Mai, S. 61 Wirtschaft regional). Ein gewisses Intransparenz-Problem ist allerdings vorhanden und wird von Antiquaren sehr kritisch diskutiert.

Der Antiquaria-Preis der Antiquariatsmesse Ludwigsburg ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird im Jahr 2007 für Fallstudien zur Geschichte des jüdischen Bibliotheksbesitzes in der NS-Zeit an das österreichische Autorenteam um die Herausgeber Murray Hall, Christina Köstner und Margot Werner verliehen.


Literatur

  • Bernhard Wendt und Gerhard Gruber: Der Antiquariatsbuchhandel. Eine Fachkunde für Antiquare und Büchersammler. Vierte, von Gerhard Gruber völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart, Hauswedell & Co., 2003. IX, 227 S. Gebunden. ISBN 3-7762-0503-2
  • Björn Biester: (Artikel) Antiquar, Antiquariatsbuchhandel, Antiquariatskatalog, Antiquariatsmessen, Antiquariatsverbände, Auktion, Auktionskatalog. In: Reclams Sachlexikon des Buches. Hrsg. von Ursula Rautenberg. 2., verbesserte Auflage, Stuttgart 2003. ISBN 3-15-010542-0

Silbentrennung

Die Silben von dem Wort 'Antiquariat' trennt man wie folgt:

  • An|ti|qua|ri|at
(Definition ergänzt von Aleyna am 28.09.2016)

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