Artikulation

Definition, Bedeutung

Artikulation (latein. articulare "gliedern", "deutlich sprechen") steht für:
  • Artikulation (Linguistik), die Bildung menschlicher Sprechlaute, also den Sprechvorgang

    Mit Artikulation (lat. articulare = deutlich aussprechen) bezeichnet man im linguistischen Sinne die Bildung der Phonemen und Wörter menschlicher Sprachen, also den motorischen Vorgang des Sprechens bei den Lautsprachen und des Gebärdens mit Händen bei den Gebärdensprachen.

    Grundvoraussetzung für die lautsprachliche Lautbildung ist die Atmung, die über die Lunge die zum Sprechen benötigte Atemluft liefert. Man spricht in diesem Sinne auch vom Phonationsstrom. Bei diesem handelt es sich in erster Linie um exspiratorischen Phonationsstrom, d. h. nur die ausgeatmete Luft dient normalerweise der Lautbildung. Nicht alle Laute, die mit dem Mund erzeugt werden können, werden in einer gegebenen Lautsprache benutzt, also linguistisch relevant.

    Grundvoraussetzung für die manuelle Bildung der Gebärden ist die Fähigkeit der Arme, Bewegungen auszuführen und Körperteile zu berühren, und der Hände, mit den Fingern Handkonfigurationen zu bilden. Man spricht in der Linguistik der Gebärdensprache von den vier Parametern in der Formation von Gebärden: Handkonfiguration, Handstellung, Bewegung und Bewegungsort. Nur eine Untermenge der möglichen Bewegungen der Arme und Handformen ist linguistisch relevant in einer gegebenen Gebärdensprache. Auch wird nur eine beschränkte Anzahl der Körperteile von der gebärdenden Hand bzw. Händen berührt.

    Der Rest des Artikels betrifft nur die lautsprachliche Seite der Artikulation.

  • Artikulation (Musik), die Differenzierung der Tonerzeugung beim Singen und Musizieren

    Die Artikulation (lat. articulare: deutlich aussprechen) ist eine Charakteristik der Tonerzeugung eines Musikinstrumentes und der Singstimme. Sie stellt ein wichtiges interpretatorisches Ausdrucksmittel dar.

    Die musikalische Artikulation beschreibt, wie mehrere aufeinanderfolgende Töne phrasiert werden. Die Artikulation entsteht je nach Instrument durch verschiedene Arten des Anspielens eines Tones: Bei Tasteninstrumenten erfolgt sie durch den Anschlag, bei Streichinstrumenten durch den Bogenstrich und bei Blasinstrumenten durch Einsetzen des Luftstroms und den Zungenstoß.

    Die Qualität der Artikulation kann unterschiedlich sein, vom starken, kurzen Staccato bis zum weichen Portato sind alle Zwischenstufen möglich. Legato ist genaugenommen die Abwesenheit von Artikulation, hier wird der Griff gewechselt, ohne neu zu streichen oder anzustoßen. Bei Tasteninstrumenten kann, wie bei allen Schlaginstrumenten, der Ton nach dem Anschlag nicht mehr beeinflusst werden, und daher kann hier das Legatospiel nur durch entsprechende Anschlagstechniken simuliert werden.

  • Artikulation (Graphentheorie), der Zusammenhang von Graphenknoten

    Wenn ein Graph zusammenhängend ist, bedeutet das intuitiv, dass jeder Knoten des Graphen von jedem anderen Knoten aus über einen Weg erreichbar ist.
  • Artikulation (Didaktik), die zeitliche Gliederung von Unterrichtsstunden oder Lernprozessen
  • Artikulation (Zahnmedizin), die Kaubewegungen des Unterkiefers

    Artikulation ist in der Zahnmedizin die Verschiebung der Zahnreihen gegeneinander unter Zahnkontakt durch Gleitbewegungen des Unterkiefers. Die Form der Gleitbewegungen hängt unter anderem von der Zahnstellung, der Höckerform und der Gelenkbahn im Kiefergelenk ab.

    Siehe auch:

    • Artikulator
    • Okklusion (Zahnmedizin)
    • Gnathologie

Silbentrennung

Die Silben von dem Wort 'Artikulation' trennt man wie folgt:

  • Ar|ti|ku|la|ti|on

Beispielsätze mit dem Begriff 'Artikulation'

  • Obgleich vielfach abweichend in der Zahl ihrer elementaren Bestandteile, in der Größe und den feineren Formverhältnissen ihrer Gesamtbildung, sind doch die tierischen Körper jeder Gattung einem festen Typus unterworfen, der in jedem Einzelnen dieselbe Anzahl der Glieder, dieselbe Art ihrer Lagerung und Artikulation, einen gleichen Mechanismus aufeinander berechneter Funktionen und dieselben periodischen Abschnitte der Entwicklung wiederkehren läßt.Quelle: Rudolf Hermann Lotze: Medizinische Psychologie
(Definition ergänzt von Elijah am 18.10.2016)

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