Bovarysmus

Definition, Bedeutung

Bovarysmus bedeutet, sich mit dem Buch, d.h. dem Handlungsvorgang und den verschiedenen Charakteren zu identifizieren. Man versetzt sich so in das Buch hinein, dass man alles um sich herum vergisst. Die Phantasie setzt ein, der Verstand setzt aus. Das trifft besonders auf die jüngere Generation zu. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie den Bovarysmus eher zulassen und nicht gegen ihn ankämpfen. Auch ich finde, dass jeder das Recht auf Bovarysmus haben sollte, solange man es nicht übertreibt. Was wäre das Leben schließlich ohne ihn? Es würde viel schwerer fallen, den Text zu verstehen. Außerdem ist das Lesen gerade was Besonderes, weil man eine Figur nicht bildlich vorgesetzt bekommt, damit man seiner Phantasie freien Lauf lässt, man sich also selber vorstellen kann, wie die Figur für einen aussehen soll. So fällt es einem gerade leichter, sich mit ihr zu identifizieren. Für mich würde das Lesen ohne Bovarysmus keinen Sinn und besonders keinen Spaß machen.

Katharina Pfaff "Jeder ist berechtigt, in die Welt des Buches einzutauchen. Man darf ruhig zulassen, dass die Phantasie überhand nimmt, nicht nur im Kindesalter. Dieses Phänomen, sich vollkommen in die Handlung des Buches hineinzuversetzen, tritt besonders häufig bei Kindern auf, wird aber von Personen fortgeschrittenen Alters häufig verkannt. Im Laufe ihres Lebens haben sie dagegen angekämpft oder einfach nur verlernt ihre eigene Phantasie zu benutzen. Ich finde eine gesunde Portion Bovarysmus gehört zum Lesen dazu. Meiner Meinung nach macht das erst ein gutes Buch aus. Allerdings sollte man Fiktion nicht mit der Wirklichkeit verwechseln."
(Definition ergänzt von Josephin am 27.10.2016)
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