acephal

Definition, Bedeutung

  • Acéphale (von altgriech aképhalos, "ohne Haupt" - vgl. Akephalie) ist der Name einer von dem französischen Soziologen Georges Bataille 1936 ins Leben gerufene Geheimgesellschaft, an der unter anderem Jacques Lacan und Walter Benjamin teilnahmen. Außerdem ist Acéphale der Titel einer 1936 von Bataille, Pierre Klossowski und André Masson gegründeten Zeitschrift, die sich um eine "Wiedergutmachung an Nietzsche" bemühte und der öffentliche Ausläufer des Collège de Sociologie war. Die Zeitschrift diente vor allem dazu, Nietzsche gegen die von seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche und anderen begünstigte und forcierte Anbindung des Werkes an die Nationalsozialisten zu retten.

    Die Organisation Acéphale hielt - wie die jüngst von Marina Galletti zusammengetragenen Dokumente belegen - ihre Treffen streng geheim und verstand sich als spirituell-okkulte, aber weltliche und antireligiöse Organisation, in der - unter anderem bei nächtlichen Treffen in Wäldern - mythische und orgiastische Riten abgehalten wurden. Bataille forderte einmal sogar bei einem dieser nächtlichen und mit Schwefeldampf inszenierten Rituale seine eigene Opferung zum Tode; dieses Anliegen wurde ihm von den übrigen Mitgliedern jedoch verwehrt (Quelle: Moebius, Die Zauberlehrlinge).

    Der Name Acéphale ("ohne Haupt") unterstrich den antiautoritären und antifaschistischen Charakter der Organisation. Bataille ging es nach eigenem Bekunden um die Schaffung eines progressiven Gegenmythos zur regressiven Mythologie des Nationalsozialismus.

    Der Gründung von Acéphale ging die von Bataille und dem surrealistischen Dichter André Breton angeführte Gruppe Contre-Attaque voraus, eine gegen den Nationalsozialismus gerichtete Kampfgemeinschaft.
  • acephal bedeutet in der Zoologie "ohne Kopf", kopflos:
    z.B. bezeichnet man acephale Insektenlarven als Maden (Fliegenmaden, Bienenmaden)
  • Acephale (Volk) (auch Blemmier) sind ein kopfloses Fabelvolk, das seit in der Antike in Literatur und Kunst nachweisbar ist und im Mittelalter weitere Verbreitung fand. Man stellte sich solche monströsen Menschenrassen (auch Wundervölker, lat. monstra) an den Rändern der Ökumene, vor allem in Indien und Afrika vor. Ob sie als real oder fiktiv gedacht wurden, lässt sich dabei ebenso wenig abschließend erörtern wie die Frage nach der Realität von außerirdischen Lebensformen heutzutage.
(Definition ergänzt von Helen am 22.10.2016)
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