anakoluth

Definition, Bedeutung

Das oder der Anakoluth (vom griechisch: an = ohne und akólouthon = Folgerichtigkeit, deutsch auch Satzbruch genannt) tritt insbesondere in mündlichen Äußerungen auf, kann aber auch als Stilmittel (rhetorische Figur) eingesetzt werden, so etwa bei der Ausdrucksweise des Mynheer Peeperkorn in Der Zauberberg von Thomas Mann.

Als Anakoluth bezeichnet man eine Folgewidrigkeit oder Unvollständigkeit im Satzaufbau. Beispielsweise kann die grammatische Beziehung der Satzglieder gestört sein, oder ein neu hereinbrechender Gedanke stört die Folgerichtigkeit des Satzes; oft wird einfach umgeplant.

  • "Korf erfindet eine Mittagszeitung, welche, wenn man sie gelesen hat, ist man satt." (Christian Morgenstern)

Ein Anakoluth ist kennzeichnend für den mündlichen Stil der Alltagssprache. Im schriftlichen Stil gilt er als fehlerhaft oder als charakterologischer Ausdruck.

Drei Typen lassen sich nach Zifonun/Hoffmann/Strecker unterscheiden:

  1. der Ausstieg: Also ich weiß nicht …
  2. die Retraktion: Er hat ihr einiges/alles zu verdanken.
  3. der Umstieg von einer Satzkonstruktion auf eine andere: Wenn jemand Geburtstag hat, dann manchmal schenkt man ihm eine Uhr

Als rhetorische Figur verleiht das Anakoluth in der Literatur der wiedergegebenen Rede Lebhaftigkeit und Authentizität und zeigt beispielsweise die aufgeregte Stimmung oder die (niedrige) soziale Stellung des Sprechers an.

Beispiele

  • Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reissend,
    den Zahn schlägt sie in seine weisse Brust.

    (Heinrich von Kleist, Penthesilea, 22. Auftritt)
  • Es ist zwar teurer und es ist klein.
    (Das "zwar" wird nicht aufgelöst, etwa durch ein "aber …" oder "dafür …"
(Definition ergänzt von Marcus am 27.09.2016)
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