Borragen

Definition, Bedeutung

Borragen , Borretsch, Borres, Borgelblumen, Burretsch, Herzblümlein, Herzfreude, Wohlgemuth, L. Borrago, Buglossum latifolium, Fr. Borrage, Borrache, Bourrache. Dieses jährige Blumen=Gewächs hat eine weiße, mit vielen kleinen Fasern versehene, klebrichte und süße Wurzel. Sein Blatt, welches auf die Erde hängt, ist breit, rundlich, dunkelgrün, rauch, etwas kraus, und mit sehr zarten Stacheln versehen. Der Stängel ist ebenfalls rauch, cylindrisch, hohl, niedrig und ästig. Seine Blumen kommen oben aus den Spitzen der Aeste hervor, und sind gemeiniglich blau, bisweilen aber weiß, oder fleischfarbig. Sie stehen auf 1 Zoll langen Stielen, welche sich gegen die Erde neigen. Sie sind aus einem einzigen Stück, und haben fünf Einschnitte, die einen Stern vorstellen. Aus dem Mittelpunkt kommt eine Art einer schwarzen Pyramide hervor, welche aus fünf, oben an der Spitze zusammenlaufenden, Staubfäden besteht. Der Kelch, worinn sie stehen, hat ebenfalls fünf Einschnitte, welche <6, 243> spitzig, grün und rauch sind, woraus ein mit vier jungen Früchten umgebenes Pistill hervorkommt, aus welchem eben soviel dicht aneinanderliegende Samenkörner werden, welche anfangs grün sind, hernach aber, wenn sie reifen, schwarz werden, und auf der Seite, wo sie zusammenhangen, ein kleines weißes beinahe unmerkliches Knöpfchen behalten. Sie sind ein wenig länglich und runzelig, und gleichen, sowohl in Ansehung ihrer Bildung, als der Farbe und Größe, dem Mäusekoth.

Die Pflanze vermehret sich nur durch den Samen, welchen man zu aller Zeit aussäen kann, und der auch geschwind aufgeht. Sie wächst sogar von freien Stükken an denen Oertern, wo sie einmahl gestanden hat, ohne daß man sie beinahe tilgen kann; aber kaum hat sie ihre vollkommene Bildung, so geht sie in die Höhe, daher mus man alle Monathe ein wenig davon säen, wenn man sie brauchet. Ihr Same ist sehr schwer einzusammeln; denn sobald er reif ist, fällt er aus, und die Vögel sowohl als die Feldmäuse sind sehr begierig darauf. Man mus den Stängel ein wenig grün abschneiden, und in der Sonne auf einem Tuche dürr werden laßen, oder ein altes Stück Leinwand unter die Pflanzen breiten, damit man den Samen nach und nach, so wie er ausfällt, bekomme. Er bleibt zwei Jahre gut. Man kann ihn entweder im Frühling oder Herbst aussäen; doch ist leztere Jahrszeit hierzu bequemer. Man säet aber denselben auf ein freies Stück Landes, wo die Pflanzen nachgehends bleiben sollen. Sind dieselben etwas erstarket, so mus der Boden umgegraben werden, um das Unkraut auszurotten. Man mus auch einige Pflanzen ausziehen, wenn sie zu nahe aneinander stehen, und 8 bis 10 Zoll Raum zwischen ihnen laßen. Nach diesem erfordern sie keine besondere Wartung mehr; es müßte denn seyn, daß neues Unkraut zum Vorschein käme; alsdenn mus der Boden zum zweitenmahl umgegraben werden, um solches wegzubringen. Wird dieses auf die gehörige Art <6, 244> und bei trocknem Wetter verrichtet, so wird der Boden vom Unkraut rein, und kein Ausjäten mehr nöthig seyn, bis der Borretsch verwelkt ist. Diejenigen Pflanzen, welche man im Herbst gezogen hat, werden im Mai blühen; diejenigen aber, welche man erst im Frühjahr ausgesäet hat, werden nicht eher, als im Junius, blühen. Verlangt man demnach, daß die Pflanzen beständig fort blühen sollen, so mus man im Frühjahr, einen Monath nach der erstern, eine zweite Saat vornehmen. Dieses mus aber auf einer schattigen Rabatte geschehen; und wenn eine trockene Witterung einfiele, so mus man den Boden fleißig begießen, und dadurch die Pflanzen zum Aufgehen nöthigen. Von dieser leztern Saat wird man Pflanzen bekommen, die bis zu Ende des Sommers blühen.

Der Borrage wird mehr zur Arzenei, als in der Küche, gebraucht. Indessen kann man ihn doch mit gutem Nutzen, unter andern Kräutern zu den Suppen, und auf andere Weise an den Speisen, gebrauchen; er mus aber jung und zart seyn. Man bedienet sich auch seiner Blume, wegen ihrer schönen himmelblauen Farbe, zum Salat. Weil die jungen Pflänzchen, sonderlich im Mai, viele Aehnlichkeit mit denen von den sogenannten Esels= oder wilden Gurken (Cucumis sylvestris; Elaterium) haben: so müssen diejenigen, welche beiderlei Gewächse in ihren Gärten haben, bei Aufsuchung der jungen Borragen=Pflanzen zu Salaten oder zum Kochen, Vorsicht anwenden, daß sie keine Eselsgurken=Pflanzen für Borragen ergreifen, indem jene ungemein stark purgiren.

Ausser dem aus den Borragen bereiteten Wasser, und Syrup, von deren medicinischen Nutzen, Herrn D. Martini Naturlexicon nachzusehen ist, kann ein Hauswirth sich des Borragen=Zuckers oder der Borragen=Conserve zu seiner Gesundheit bedienen. Man nimmt, in dieser Absicht, ein hohes gleichweites Glas, bestreuet den Boden mit Zucker, leget eine Schicht Blumen, ungefähr eines Fingers dick, darauf; als denn Zucker, und nachher wieder Blumen, und also wechselsweise, bis das Glas voll ist, so hat man eine vortreffliche Herzstärkung.

Man pflegt die Blumen auch in den Wein zu legen, und davon zu trinken.
(Definition ergänzt von Fritz am 14.10.2016)

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